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Der Baum in der Schale

Frankfurter Bonsai-Freunde feiern ihr 25-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung in Zeilsheim

 

Heinz Peter Ulrich mit einer Buche und Karl Hinterseer mit einem Feuerahorn. Die Frank-furter Bonsai-Freunde haben einen Quer- schnitt ihrer Vereins-arbeit in der Zeilsheimer Stadthalle präsentiert.

Foto: Maik Reuß

 

 

09.05.2016

Von Alexandra Flieth

 

Obwohl Bonsais von Menschenhand geformt werden, unterliegen auch sie den Jahreszeiten und zeigen sich im Frühling von ihrer schönsten Seite. Für die Mitglieder des Vereins „Frankfurter Bonsai-Freunde“ Anlass, ihre prächtigsten Miniaturbäume in der Stadthalle Zeilsheim zu präsentieren.

 

Heinz Peter Ulrich und Karl Hinterseer brauchen für ihr Hobby ganz viel Geduld. Die beiden sind nämlich passionierte Bonsai-Liebhaber, ziehen und formen sich die Bäume selbst heran. Vom Sämling bis zum fertigen Miniaturbaum – bis ein Bonsai seine ganz spezifische Größe und sein Aussehen erreicht, vergehen sehr viele Jahre, und unzählige Stunden Pflege, etwa für den Form- und Wurzelschnitt, sind notwendig.

 

Nicht ohne stolz präsentieren Ulrich, Vorsitzender und Mitbegründer der „Frankfurter Bonsai-Freunde“, und Vereinsmitglied Hinterseer zusammen mit weiteren Mitstreitern in der Stadthalle Zeilsheim eine große Auswahl ihrer schönsten Miniaturbäume. Die zweitägige Schau zum 25-jährigen Vereinsbestehen macht deutlich, wie vielfältig das Erscheinungsbild der Bonsais sein kann.

 

Gestaltung der Natur

 

Der Begriff Bonsai kommt aus dem Japanischen und beschreibt eine ganz bestimmte Form der Gartenkunst, deren Ursprung in China vermutet wird. „Das Wort bedeutet in etwa ,Baum in einer Schale‘“, weiß Karl Hinterseer und fügt hinzu: „Noch treffender ist, wenn man von einem gestalteten Baum in einer Schale spricht.“ Denn der Mensch greift ein in das natürliche Wachstum eines Baums oder Strauchs, um diese möglichst klein zu halten, ohne ihnen dabei ihr typisches Aussehen zu nehmen.

 

Bereits über das Einpflanzen in der Schale ist der Bonsai räumlich begrenzt; hinzu kommt, dass sowohl die Wurzeln als auch die Triebe in regelmäßigen Abständen beschnitten werden müssen, um die gewünschte Form und das Aussehen zu erhalten. „Wichtig ist, die Baumstruktur sichtbar zu machen. Wie man das macht, welche Form man wählt, bleibt jedem selbst überlassen“, findet Hinterseer.

 

Alle selbst gezogen

 

Er entdeckte seine Leidenschaft für das Thema bereits vor rund vier Jahrzehnten, hat mittlerweile gut 150 Exemplare in seiner Sammlung und ist ein Experte auf dem Gebiet. „Ich habe noch nie einen Bonsai gekauft, sondern sie alle selbst gezogen“, sagt er. Darunter sind nicht nur Bäume wie der Feuer-Ahorn, sondern auch Sträucher wie die Blutberberitze oder die Azalee. Letztere haben durch die Gestaltung von Hinterseer nun das Aussehen eines Miniatur-Baumes.

 

Vor allem im Frühling und Herbst gibt es für die Bonsai-Liebhaber viel zu tun. In den Urlaub fahren will bei diesem Hobby daher richtig geplant sein. „Das geht eigentlich nur, wenn ich meine Bäume schon auf die Zeit des Winters vorbereitet habe“, sagt er. Denn die Bäume, die ebenso wie die großgewachsenen Exemplare den Jahreszeiten unterliegen, müssen in bestimmten Abständen gegossen werden. „Wir haben Mitglieder, die können deswegen tatsächlich nicht in den Urlaub fahren“, weiß Heinz Peter Ulrich.

 

Der Vereinsvorsitzende hat für dieses Problem eine eigene Methode gefunden. Er hat selbst 25 Miniaturbäume. „Das Gießen passiert mittels eines Programmes, das auf meinem Computer installiert ist. Ich muss mich natürlich auch darauf verlassen können, dass es funktioniert“, sagt er. Bei der Hitze des vergangenen Sommers sei es beispielsweise notwendig gewesen, die Bäume zweimal täglich zu bewässern. Schließlich begrenzten die Schalen, in denen die Bonsais eingepflanzt seien, auch die Wasseraufnahme.

 

Wie sein Interesse an den Miniaturbäumen einst geweckt wurde, kann Ulrich heute gar nicht mehr so ganz eindeutig benennen. „Auslöser mag einer meiner ersten Besuche in China gewesen sein“, mutmaßt der Vereinsvorsitzende. Er selbst habe sich über das Thema zunächst in einem Arbeitskreis informiert, der vor mehr als 25 Jahren von einem Frankfurter Blumenhandel initiiert und angeboten worden sei. Das Interesse an dem Thema wuchs, und zusammen mit Gleichgesinnten gründete er schließlich am 2. Oktober 1991 den Verein „Frankfurter Bonsai-Freunde“, der heute 30 aktive Mitglieder hat. „Wir sind mit unseren Bäumen gealtert“, sagt Ulrich. Hin und wieder sind auch Jüngere mit im Verein dabei, doch den meisten fehle es einfach an der nötigen Ausdauer. So ein Baum wachse eben nicht schnell, sondern brauche seine Zeit. Die Ausstellung in der Stadthalle Zeilsheim sei eine Möglichkeit zu zeigen, wie facettenreich das Thema ist. „Und vielleicht“, so hofft Ulrich, „wird bei manchem Besucher das Interesse am Bonsai geweckt.“

 

Der Verein sieht sich als offenes und lebendiges Forum, in dem sich Interessierte über alle Fragen zum Thema Bonsai austauschen können. Die Gruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat um 19 Uhr in der Stadthalle Zeilsheim, Bechtenwaldstraße 17. Der nächste Termin ist am 01.Juni. Weitere Infos zum Verein gibt es unter www.frankfurter-bonsai-freunde.de im Internet.

 

Höchster Kreisblatt 09.Mai 2016

 

 


Herzlich Willkommen

 

Wenn Sie sich für Bonsai interessieren, also für jene kleinen Bäume, wie sie in der aus China und Japan herrührenden Tradition auch bei uns gezüchtet und gestaltet werden, dann sind Sie hier richtig. Wir sind ein eingetragener Verein, in dem sich seit 20 Jahren Interessierte zusammengefunden haben, um sich intensiv mit ihrem Hobby zu beschäftigen und um unsere Kenntnisse intern zu erweitern und andere daran teilhaben zu lassen.

 

Aber was sind denn überhaupt Bonsai?

 

Bonsai, das sind kleine Bäume, die über Jahre hinweg so gestaltet werden, dass sie ihren großen Vorbildern in der Natur ähneln. Wie die Ergebnisse dieser Gestaltungsmaßnahmen aussehen, können Sie in unserer Rubrik Baumgeschichten verfolgen. Auch wenn sie nicht immer so wirken: Fast alle Bäume, die Sie dort sehen, also auch der abgebildete Feldahorn, die Kastanie oder die Winterlinde, sind alle „nur“ zwischen 30 und 50 cm groß.

 

Sollten auch Sie Interesse an Bonsai und den Wunsch haben, sich darüber mit anderen auszutauschen, so würden wir uns freuen, Sie bei uns begrüßen zu können. Aber auch wenn Sie vielleicht zu Hause nur einen einzigen Bonsai besitzen, den Sie einmal zufällig im Baumarkt erstanden und zu dem Sie jetzt eine Frage zur Pflege haben, helfen wir Ihnen gerne weiter. Benutzen Sie dazu einfach unser Kontaktformular oder rufen Sie uns an.